Du weißt ziemlich viel. Aber weißt du auch, was DIR hilft?
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Aktualisiert: vor 1 Tag
Selbsthilfe bei Neurodivergenz beginnt für uns nicht mit der nächsten Strategie
Vielleicht kennst du das.
Du hast inzwischen ziemlich viel über ADHS oder Autismus gelesen. Du weißt, was Reizüberflutung bedeutet. Hast etwas über Routinen, Regulation, Planung und Grenzen gehört. Auf Instagram hast du dir ungefähr 726 Tipps gespeichert, die du irgendwann ganz bestimmt ausprobieren wolltest.
Und trotzdem sitzt du an einem Dienstagabend da und denkst:
Warum kriege ich meinen Alltag eigentlich immer noch nicht besser hin?
Puh.
Vielleicht liegt die Antwort nicht darin, dass dir noch der 727. Tipp fehlt.
Vielleicht lohnt es sich erstmal herauszufinden, was bei dir eigentlich passiert.

Neurodivergenz zeigt sich nicht bei allen gleich
Zwei Personen können ADHS haben und trotzdem völlig unterschiedliche Dinge brauchen. Eine braucht morgens einen ziemlich klaren Ablauf, weil sonst schon vor dem Frühstück Chaos im Kopf ist. Die nächste hält genau diesen festen Ablauf drei Tage durch und möchte ihn danach nie wieder sehen. Eine Person merkt sofort, wenn ihr etwas zu laut wird. Eine andere bemerkt erst Stunden später, dass der ganze Tag eigentlich viel zu viel war.
Deshalb können allgemeine Tipps hilfreich sein.
Sie können aber auch ziemlich frustrierend werden, wenn daraus irgendwann die nächste Liste entsteht mit Dingen, die du eigentlich noch besser machen solltest.
Bevor du etwas veränderst, kannst du erstmal beobachten
Das klingt unspektakulär. Ist aber ziemlich hilfreich.
Wann bist du besonders erschöpft?
Welche Termine kosten dich mehr Kraft als andere?
Was passiert an Tagen, an denen du abends noch Energie hast?
Welche Geräusche, Orte oder Situationen machen dich schneller fertig?
Wie geht es dir mit spontanen Änderungen?
Was hilft dir beim Anfangen?
Was passiert, wenn mehrere Dinge gleichzeitig von dir wollen, dass du sie bitte JETZT erledigst?
Du musst daraus noch keine Erklärung bauen. Erstmal geht es darum, deinen eigenen Alltag besser kennenzulernen.
Denn vieles wird irgendwann so normal, dass wir gar nicht mehr merken, wie viel Kraft es eigentlich kostet.
„Ich muss mich besser organisieren“ ist vielleicht noch nicht die ganze Frage
Gerade bei ADHS landet man schnell bei Kalendern, Apps, Routinen und Zeitmanagement. Kann alles super sein. Aber nehmen wir mal an, du schaffst es morgens regelmäßig nicht, rechtzeitig loszukommen.
Dann könnte man natürlich sagen:
Du brauchst eine bessere Morgenroutine.
Vielleicht. Interessanter wäre aber erstmal:
Wo genau hakt es?
Verlierst du Zeit aus dem Blick?
Fällt es dir schwer, eine Tätigkeit zu unterbrechen?
Sind es zu viele einzelne Schritte?
Suchst du jeden Morgen deine Sachen?
Bist du nach dem Aufstehen eigentlich schon reizmäßig komplett bedient?
Oder schläfst du schlecht und startest mit ungefähr 14 Prozent Akku in den Tag?
Plötzlich haben wir nämlich nicht mehr ein Organisationsproblem.
Wir haben mehrere mögliche Erklärungen, die völlig unterschiedliche Unterstützung brauchen könnten.
Und bitte: Nicht alles muss zur neuen Routine werden
Das ist uns wichtig. Wenn du etwas findest, das dir hilft, musst du daraus nicht automatisch eine perfekte tägliche Gewohnheit machen.
Vielleicht hilft dir Journaling.
Dann schreibe.
Vielleicht macht dich der Gedanke daran schon müde.
Dann lass es.
Meditation kann hilfreich sein. Für manche ist still sitzen und den eigenen Gedanken zuzuhören allerdings ungefähr das Gegenteil von Entspannung.
Ein visueller Wochenplan kann dir Orientierung geben. Vielleicht brauchst du stattdessen Erinnerungen auf dem Handy oder jemanden, mit dem du Aufgaben gemeinsam anfängst.
Die Methode ist nicht das Ziel.
Entscheidend ist, ob sie dir tatsächlich hilft.
Selbsthilfe darf auch heißen, etwas nicht mehr alleine zu versuchen
Das Wort „Selbsthilfe“ klingt schnell nach:
Ich muss nur lernen, mir selbst besser zu helfen.
Aber Unterstützung anzunehmen kann genauso dazugehören. Vielleicht hilft dir der Austausch mit anderen neurodivergenten Erwachsenen, weil du dort zum ersten Mal hörst: „Oh Gott, das kenne ich auch.“
Vielleicht brauchst du fachliche Begleitung, um etwas zu sortieren. Vielleicht möchtest du mit deinem Umfeld darüber sprechen, was dir bestimmte Situationen leichter machen würde. Oder du merkst, dass du bei einem Thema medizinische oder psychotherapeutische Unterstützung brauchst.
Sich selbst besser zu verstehen bedeutet nicht, alles selbst schaffen zu müssen.
Und was hat mentale Gesundheit damit zu tun?
Eine ganze Menge.
Denn wir erleben Neurodivergenz nicht in einem luftleeren Raum.
Da ist Arbeit. Familie. Beziehungen. Mental Load. Schlaf. Erwartungen.
Vielleicht jahrelanges Anpassen. Vielleicht Erfahrungen damit, immer wieder zu hören, man müsse sich nur mehr konzentrieren, besser organisieren oder weniger empfindlich sein.
All das kann beeinflussen, wie es dir heute geht.
Deshalb schauen wir bei neuroSELFclear auf Neurodivergenz und mentale Gesundheit zusammen.
Wenn du permanent über deine eigenen Grenzen gehst, brauchen wir schließlich nicht nur eine bessere To-do-App.
Wir sollten auch darüber reden, warum dein Alltag so viel von dir verlangt und wo überhaupt noch Platz für dich bleibt.
Drei Fragen, mit denen du heute anfangen kannst
Keine 30-Tage-Challenge. Kein neues System.
Nimm einfach eine Situation, die dich regelmäßig Kraft kostet, und frag dich:
Was passiert da eigentlich genau?
Nicht nur am Ende. Was passiert vorher?
Was macht genau diese Situation für mich schwierig?
Und:
Was würde mir an dieser Stelle tatsächlich helfen?
Vielleicht hast du darauf sofort eine Antwort.
Vielleicht merkst du erstmal nur, dass du dir diese Fragen bisher noch nie gestellt hast.
Beides ist ein Anfang.
Du musst dich nicht erst komplett verstanden haben
Selbstverstehen ist kein Projekt, das irgendwann abgeschlossen ist.
Und du musst auch nicht jede Eigenheit einer Diagnose zuordnen können.
Es kann schon viel verändern, wenn du früher bemerkst:
Das kostet mich gerade Kraft.
Hier brauche ich etwas anderes.
Das funktioniert für mich nicht so, wie es für andere vielleicht funktioniert.
Und von dort aus kannst du ausprobieren, was zu dir passt.
Nicht zu irgendeinem perfekten neurodivergenten Alltag aus dem Internet.
Zu deinem echten Alltag und Leben darf es passen. 🤎
Tanja & Kaja
Möchtest du bei dir selbst genauer hinschauen? Mit unserem neuroSELFcheck kannst du dir 15–20 Minuten Zeit nehmen und auf sieben Bereiche deines Alltags schauen: von Reizen und Energie über Veränderungen und Kopfchaos bis zu Stress, Bedürfnissen und Grenzen. Du bekommst dabei keine Punktzahl und keine Diagnose. Du bekommst Fragen, mit denen du erstmal sortieren kannst, was bei dir gerade eigentlich los ist.
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